Wilsberg – Die Bielefeld-Verschwörung 
TV-Premiere am 18.02.2012 um 20:15h im ZDF


Privatdetektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink) ist genervt. Er hat keine Lust mehr, den verrückten Verschwörungstheorien von Nils Erdel (Daniel Roesner), dem er bereits in „Wilsberg – Aus Mangel an Beweisen“ aus der Patsche geholfen hatte, zuzuhören. Nils fühlt sich verfolgt. Er glaubt, zu weit in das Geheimnis um die „Bielefeld-Verschwörung“ - den Mythos, dass es die Stadt gar nicht gibt -  eingedrungen zu sein. Wilsberg verweigert ihm seine Hilfe. Kurze darauf ist Nils tot. Wilsberg hat Gewissensbisse und versucht, den Tod von Nils aufzuklären. Auf den Spuren von Nils taucht Ekki (Oliver Korittke) immer tiefer in die Verschwörerkreise ein und lernt dabei Dominik (Fjodor Olev) und Karola (Alwara Höfels) kennen. Ekki ist fest davon überzeugt, dass Nils sterben musste, weil er der Wahrheit um Bielefeld zu nahe gekommen ist. Als dann auch noch Wilsbergs alter Freund Manni ausgerechnet aus Bielefeld nach Münster kommt und einen Notizzettel mit Nils Erdels Adresse dabei hat, wird der für Ekki zum ärgsten Widersacher. Wilsberg versucht währenddessen herauszufinden, was es mit der attraktiven Miriam Zubert (Marion Mitterhammer) auf sich hat, die Nils Erdel angeblich nicht kannte, obwohl er in ihren Armen gestorben ist.

Buch: Timo Berndt
Musik:
Dirk Leupolz
Kamera nud Regie: Hans-Günther Bücking
Producer: Anton Moho
Junior-Producer:
Markus B. Altmeyer
Produzentin:
Micha Terjung
Redaktion: Martin R. Neumann

Transmediales Wilsberg-Projekt

Der Blog www.bielefeld101.de gibt ab heute Einblicke in das fiktive Leben der Filmfiguren Nils Erdel (Daniel Roesner, "Die Wolke") und seiner Freundin Karola (Alwara Höfels, "Keinohrhasen"), das sich zwischen den beiden Wilsberg-Folgen "Aus Mangel an Beweisen" (Ausstrahlung 28.01. - 20:15h, ZDF) und "Die Bielefeld-Verschwörung" (Ausstrahlung 18.02. - 20:15h, ZDF) abspielt. Online kann man ihnen helfen, die Bielefeld-Verschwörung aufzudecken. Denn wir alle wissen ja, dass Bielfeld in Wahrheit gar nicht existiert.
Die Drehbücher für die Internetclips stammen von mir.

Nils Erdel ist der Bielefeld-Verschwörung auf der Spur

Auf 101bielefeld.de trägt Nils Erdel Beweise für die Bielefeld-Verschwörung zusammen und ahnt nicht, welche Probleme er deswegen bekommen wird. Drei Wochen nach dem Film "Aus Mangel an Beweisen" wird es ein Wiedersehen zwischen Nils und Georg Wilsberg im Film "Die Bielefeld-Verschwörung" geben. Nils' Blog erzählt die Geschichte dieser drei Wochen.

In seinem Blog 101bielefeld.de sucht Nils Erdel im Anschluss an den Film "Wilsberg - Aus Mangel an Beweisen" nach Hinweisen auf eine Verschwörung. Er ist überzeugt davon, dass es die Stadt Bielefeld nicht gibt. Seine Suche nach Indizien dokumentiert er in kurzen Videos. Die Leser seines Blogs bittet er um Unterstützung, rätselhafte Hinweise zu entschlüsseln und eigene Hinweise zu liefern, die mit der Bielefeld-Verschwörung zu tun haben könnten.

Auf der Spur einer unmöglichen Verschwören

Die Bielefeld-Verschwörung ist eine Erfindung, doch davon ahnt Nils Erdel nichts. In seiner Phantasie wird jedes rationale Argument gegen die Verschwörung umgedeutet in Täuschungsversuche der Verschwörer. Die Leser seines Blogs können ihm Indizien für und gegen die Verschwörungstheorie liefern, in Kommentaren, als Videos oder mit Fotos.

Über drei Wochen steigert sich Nils mit Figuren, die er erst noch kennenlernen wird, in die Verschwörung hinein. Seine Recherchen sollen nicht ungefährlich bleiben für den Verschwörungstheoretiker. Ab dem 26. Januar 2012 werden täglich neue Beiträge Nils' Suche dokumentieren. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen erleben die Leser des Blogs im Film "Wilsberg - Die Bielefeld-Verschwörung" am 18. Februar 2012 um 20.15 Uhr im ZDF und anschließend in der ZDFmediathek.

Stab und Besetzung für 101bielefeld.de

Regie und Kamera: Pascal Schröder
Drehbuch: Markus B. Altmeyer
Producer: Anton Moho
Interaktive Rätsel: Kaya Berndt, Sebastian Büttner und Mark Rau
Grafische Betreuung: Florian Eberstaller
Redaktion: Martin R. Neumann, Benjamin Gögge und Marlene Stube

Wilsberg – Aus Mangel an Beweisen
TV-Premiere: 28.01.2012 um 20:15h im ZDF

In dem kleinen Ort Horsthausen bei Münster verschwindet der Sohn des Ehepaars Melanie (Claudia Michelsen) und Thomas Rensing (Stephan Kampwirth). Als eine Lösegeldforderung auftaucht, wird Georg Wilsberg (Leonard Lansink) von Ekki Talkötter (Oliver Korittke) überredet, seinem Cousin Thomas zu helfen und die Geldübergabe zu übernehmen. Aus Angst um ihren Sohn Max wollen sie die Polizei raushalten. Doch Kommissarin Springer wurde längst von Melanie, ohne Wissen ihres Mannes, informiert und greift ein.  Auf dem Grundstück von Wolfgang Schwendter (Michael Lott), einschlägig bekannt, findet man ein blutiges T-Shirt von Max. Polizei und Dorfbewohner sehen in ihm den Schuldigen, ohne ihm die Tat wirklich nachweisen zu können. Wilsberg kann nicht glauben, dass es Schwendter war und stößt auf weitere dunkle Geheimnisse im Dorf.


Buch: Jürgen Kehrer
Musik:
Dirk Leupolz
Kamera nud Regie: Hans Günther Bücking
Producer: Anton Moho
Junior-Producer:
Markus B. Altmeyer
Produzentin:
Micha Terjung
Redaktion: Martin R. Neumann
 

Wilsberg – Im Namen der Rosi
TV-Premiere: 29.09.2011

Wilsberg (Leonard Lansink) wird ins Kloster Melkweg gerufen, um den Tod eines Mönchs, Bruder Bertram, aufzuklären. Der Papst hat seinen Besuch angekündigt und der Klostervorstand möchte die Polizei heraushalten, um kein Aufsehen zu erregen. Wilsberg wird als Teilnehmer eines Managerseminars eingeschleust, das der Mönch Bruder Ansgar abhält, und trifft dort auf Ekki (Oliver Korittke), der sich im Kloster von seinem stressigen Job im Finanzamt erholen will. Anna Springer leitet die Sondereinheit, die für die Sicherheit des Papstes sorgen soll, wenn sich dieser im Kloster eine seltene Bibel anschaut, und hat Overbeck (Roland Jankowsky) undercover ins Kloster geschickt, um vor Ort Vorkehrungen zu treffen. Während Wilsberg und Ekki mit der Recherche beginnen können, stirbt auch noch Bruder Ansgar. In der Hand des Toten ein Zettel mit der Zahl 666. Alex findet heraus, dass das die Nummer eines Bankschließfaches ist, welches auf den toten Bruder Bertram läuft. Er war der Finanzverwalter des Klosters. Gemeinsam mit Ekki entdeckt Alex in den Unterlagen des Schließfaches, dass Bertram sich verspekuliert hat und das Kloster pleite ist. Musste er deswegen sterben? Wilsberg recherchiert weiter im Kloster und trifft auf Angela, eine Doktorandin, die in der Klosterbibliothek nach einer Bibel forscht. Als Wilsberg entdeckt, dass sie von allen Mönchen Dossiers angelegt hat, fragt er sich, weswegen sie wirklich im Kloster ist. Hat sie vielleicht etwas mit den Morden zu tun? Bruder Ansgar stellt sich als Millionenerbe heraus. War das das Mordmotiv? Aber wer wusste davon? Als Angela plötzlich auch in Lebensgefahr schwebt, führt die Bibel Wilsberg schließlich zum Täter.

Buch: Matthias Keilich & Khyana el Bitar
Kamera und Regie: Hans Günther Bücking
Producer: Anton Moho
Junior-Producer: Markus B. Altmeyer
Produzentin: Micha Terjung
Redaktion: Martin R. Neumann

Die Neuauflage von "Mir bleibt immer noch Havanna" erscheint unter dem Titel "Meine Freundin, der Zeitgeist und ich" und wird herausgegeben von Vito von Eichborn, der auch das Vorwort geschrieben hat:


Meine Buchhändlerin sagte mir,
„ja“, sagte sie …


Ja, eine Liebesgeschichte von jungen Leuten, das hört sich gut an. Aber nur, wenn sie liebenswürdig ist, literarisch gekonnt, also nicht aus Klischees besteht wie fast alles in diesem Genre Zeitgeistroman.“
„Aber ja, dieser Roman, vielleicht besser, die Novelle, ist rundherum gekonnt. Ergreifend, voller Liebe und Tränen und dennoch ohne Kitsch, sehr melancholisch, voller Zweifel und voller Gefühle des Protagonisten …“
„Also, wer ist das überhaupt ? Und wie geht der Plot ?“, unterbrach
mich meine Buchhändlerin, wie sie das immer tut.
„Der Ich-Erzähler ist Jens, 27jähriger Student, Kunst und Philosophie im 14. Semester. Er ist innerlich völlig zerrissen, seit er seine geliebte Florence beim Fremdgehen mit einem Mädchen ertappte. Er streunt durch die Straßen und Kneipen in Köln, zweifelt an der ganzen Welt rundum, versinkt in seinem narzisstischen Liebeskummer. Und er weiß: ‚Man kann nur hassen, was man liebt.‘ Und: ‚Ich habe keine Zwänge. Ich bin so frei,dass es schon weh tut.‘
Er lästert über das Imponiergehabe von unbeleckten Vollidioten rundum, kultiviert das Dagegen-Sein und hasst seine eigene Selbstgefälligkeit.“ „Gibt es denn außer all der Gefühle und Gedanken auch so etwas wie Action, Spannung, äußere Handlung ?“, wollte meine Buchhändlerin wissen.
„Meine klassische Frage an jedes Buch ist bekanntlich: ‚Liest es mich ?‘. Das kann ich nur rundheraus mit Ja beantworten, der Text entwickelt richtig Sog, ja, fesselnde Spannung. In Köln lernt Jens ein obdachloses Mädchen kennen, die Aussteigerin Jacqueline, die sich tief gegen die bürgerliche Welt Meine Freundin, der Zeitgeist und Ich · Meine Buchhändlerin sagte mir, … 6 und deren vorgebliche Vernunft wehrt. Sie war noch nie richtig glücklich und meint einmal: ‚Ich möchte sterben, wenn ich glücklich bin.‘ Sie fahren zusammen nach Paris, und immer ist Florence nicht nur in seinem Inneren dabei, sondern er trägt einen Pappkarton
mit ihren Liebesbriefen mit sich, aus denen Jacqueline ihm vorliest. Und wenn er mit ihr schläft, denkt er an Florence. Sie fahren nach Köln zurück, dann gemeinsam zu seinen freigeistigen Eltern. Dort findet er einen Brief von Florence; der und Jacqueline überzeugen ihn, dass er zu ihr zurückkehrt. Und, ja, ihre Liebe ist tief und lebendig. Zu dritt fahren sie nach Havanna …“
Meine Buchhändlerin hörte mir sichtlich nicht zu. Sie hatte mir das Buch aus der Hand genommen, las hier und da, wie so Leseprofis das machen. Nun meinte sie: „Ja, sprachlich ist das offensichtlich schön. Es ist einfach, aber nicht banal. Ich finde viele kurze schöne Sätze. Nun also bitte: Wie geht die Geschichte aus ?“
„Als sie alle drei auf Kuba herumfahren und zusammen richtig glücklich sind, nimmt Jacqueline unbemerkt im bunten Käfer auf dem Rücksitz Schlaftabletten. Die Beerdigung in Deutschland ist grauenhaft.
Florence geht wieder an die Uni, sie leben in München, und Jens denkt viel nach. Es gilt für ihn der Satz: ‚Ich glaube an die Kunst und an die Liebe.‘ Insgesamt ist dieses Buch in sich sehr stimmig, weil …“
Wieder brach ich ab – denn meine Buchhändlerin war von dannen geeilt. Es hatte an der Eingangstür geklingelt, und für ihre Kunden ließ sie mich immer stehen. Mir bleibt nur, dieser Novelle – die gleichzeitig heutigen Zeitgeist einfängt und etwas schön Altmodisches hat – viele Leser zu wünschen. Sie hat es verdient.

Vito von Eichborn

Wilsberg – Tote Hose
TV-Premiere: 11.06.2011

Ekki (Oliver Korittke) hat eine neue, hübsche Freundin: Denise (Bianca Hein). Er ist hin und weg! Aber ist sie wirklich das engelsgleiche Wesen, das er in ihr sieht? Als Denise ihren Ex-Lover Gisbert Lotze (Sigmar Solbach) erwähnt, der angeblich gerade wieder in der Stadt und hinter ihr her ist, kommt das Ekki spanisch vor. Er bittet Wilsberg (Leonard Lansink), Denise zu beschatten, um sicher zu gehen, dass er ihr vertrauen kann. Dabei stellt Wilsberg fest, dass Denise ein Verhältnis mit einem ganz anderen Mann hat – und zwar ausgerechnet mit Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky)!
Dann wird die Leiche eines Mandanten von Alex (Ina Paule Klink), Uwe Schlachkamp (Alexander Radszun), gefunden, in dessen Firma Lotze der Chefbuchhalter war. Als Wilsberg feststellt, dass die beiden Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben und das Schwarzgeld verschwunden ist, wird schnell klar, Denise hat ihre Finger im Spiel, denn sie hat mit allen beteiligten Männern zu tun.


Buch: Ecki Ziedrich
Musik: Carsten Rocker
Kamera und Regie: Hans Günther Bücking
Producer: Anton Moho
Junior-Producer: Markus B. Altmeyer
Produzentin: Micha Terjung
Redaktion: Martin R. Neumann

Reiz der Wellpappe
Von Ines Schneider 

Während der Lektüre von Markus Altmeyers »Die Filme und Musikvideos von Michel Gondry« stellt sich zunächst der Eindruck ein, die drei Hauptteile ständen etwas verbindungslos nebeneinander. Doch das ist keine Schwäche des Autors. Die einzelnen Kapitel sind konsequent und plausibel aufgebaut und die Verschiedenartigkeit der Bereiche beweist vor allem, wie differenziert Altmeyer die Werke Gondrys betrachtet. Altmeyer setzt sich nicht nur mit den künstlerischen Ausdrucksformen dieses Regisseurs auseinander, sondern hebt auch dessen Geschick hervor, den persönlichen Stil in den Konventionen der Unterhaltungsindustrie unterzubringen, und er stellt Mutmaßungen über die Vorbildung an, die das Publikum seiner Clips und Filme bereits mitbringt.

Im Kapitel »Surrealismus« ordnet Altmeyer die Bildwelten Gondrys in die jüngere Kunstgeschichte ein. Er sieht Parallelen zu den Prinzipien der Surrealisten. Gondry würde vermutlich nicht so weit gehen, wie André Breton mit einem Revolver wahllos in eine Menschenmenge schießen zu wollen, aber er scheint in ähnlicher Weise davon befremdet zu sein, wie in der westlichen Gesellschaft sorgfältig zwischen Realität, (Tag)Traum und Wahn unterschieden wird. Es wurde zu einem Merkmal des Regisseurs, alle drei Ebenen in Szene zu setzen und sich von den linearen Erzählmustern, denen die meisten fiktiven Handlungen sonst folgen, zu lösen. Würde man seine Geschichten lediglich nacherzählen, käme man zu dem Schluß, daß einige Sequenzen keinerlei Beitrag zum Verlauf der Geschichte leisten. Sie gehorchen stattdessen einem von Gondry selbst formulierten Grundsatz: »Zeigen statt Erzählen.«

Unter dem Titel »Pop« behandelt Altmeyer die ökonomischen Bedingungen, unter denen ein Kulturgut einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Er erläutert, wie kreatives Schaffen zu einem konsumierbaren Artikel wird, indem man Vertrautes gleichzeitig reproduziert und einer leichten Verfremdung unterzieht. Das so entstandene Produkt erscheint nie irritierend unverständlich, aber wirkt als Neuheit faszinierend. Aus Altmeyers Sicht beherrscht Gondry diese Gradwanderung bewundernswert und läßt dem Betrachter dabei sogar noch Raum, seine eigenen Sinnzusammenhänge darin zu finden. In »Psychoanalyse« untersucht Altmeyer, wie weit sich Gondry auf die klassischen Theorien zur Traumdeutung stützt und wie sehr die Lehren Sigmund Freuds Form und Inhalt seiner Filme geprägt haben könnten. Der Autor sieht diesen Einfluß vor allem im 2006 entstandenen The Science of Sleep, in dem ein junger Mann seine Erlebnisse in einer aus Alltagsmaterialien nachgebastelten Traumwelt erneut durchlebt.

Die verschiedenen Herangehensweisen und die klare Sprache machen die Lektüre zu einem Vergnügen für jeden interessierten Zuschauer und jeden kreativ tätigen Menschen. Altmeyers Argumentationsweise wird von geisteswissenschaftlichen Theorien und Begriffen unterstützt, ohne damit überfrachtet zu sein. Zwar nennt er in seinem schmalen Band in erster Linie die bekanntesten und bereits vieldiskutierten Vertreter einer bestimmten Tendenz (zu Breton und Freud kommen noch Theodor Adorno und John Fiske), doch in der Regel nennt er deren Thesen vor allem deshalb, weil sie als Begründer einer Theorie auch die Begriffe definiert haben, mit deren Hilfe diese Zusammenhänge noch heute diskutiert, erweitert und auch widerlegt werden. Es geht Altmeyer um die Grundströmungen, die unser allgemeines Verständnis von »Kultur« geprägt haben und die uns als Hintergrund dienen, wenn wir ein Kulturgut betrachten, bewerten und in unsere eigene Weltsicht einbauen. Wenn er direkte Reaktionen auf die Videos und Spielfilme Michel Gondrys für seine Untersuchungen heranzieht, stützt er sich auf Kritiken und Artikel aus Zeitschriften und Tageszeitungen. In einer Zeit, in der das wichtigste Werkzeug eines Publizisten die Suchmaschine zu sein scheint, sieht man gerne, wie ein Autor die gesamte Vielfalt der zur Verfügung stehenden Informationsmedien nutzt, um sich über einen aktuellen Künstler zu informieren.

Markus Altmeyer beschäftigt sich nicht nur mit dem visuellen Kosmos eines originellen Filmemachers, er deckt auch die Mechanismen auf, mit deren Hilfe wir darin Bedeutung erkennen oder konstruieren. Künstler wie Michel Gondry kommen uns bei dieser aktiven Tätigkeit entgegen. Die Szenerien aus Wellpappe, Watte und Zellophan und die damit zum Leben erweckten Fantastereien mögen kindlich wirken, doch die Freude am Schneiden, Kleben und Malen, die in einer Welt voller Massenartikeln und Digitalbildern selten aufkommen kann, wirkt ansteckend. Hat man sich mit Hilfe von Markus Altmeyers Buch vor Augen geführt, wie Wissen, persönliche Erinnerungen und Überraschung beim Betrachten von kreativen Schöpfungen ineinandergreifen, dann bemerkt und versteht man auch einen weiteren Schritt der Unterhaltungsindustrie, der möglicherweise von Gondrys Erfolg beeinflußt wurde: In dem Playstation-3-Spiel »Little Big Planet« wird gerade die Stop-Motion-Technik, die der Regisseur liebevoll aufleben läßt, mit unzähligen Pixeln nachgeahmt. »Mm« und »Sony« greifen auf, was wir im Bastelunterricht erlebt, im Kinderfernsehen gesehen und später als Erwachsene im Kino wiederentdeckt haben, und bieten uns in ihrem neuesten Produkt ihre Version von Buntpapier und Filz an. Der Produktionsweg könnte vom Puppentrickfilm kaum weiter entfernt sein, aber das Ergebnis ist reizend.